Es gibt Einsätze, die einen an die eigenen Grenzen bringen und die einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Eine Nestentfernung der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) in Köln Porz-Wahnheide war genau ein solcher Fall – eine Lektion in Demut, Professionalität und der schieren Aggressivität, die von einem verteidigungsbereiten Volk ausgehen kann.
Die Ausgangslage: Ein „hübsches Nest“ in Köln
- Einsatzort: Köln Porz-Wahnheide
- Neststatus: Durchlaufendes Primärnest der Vespa velutina
- Standort: Unter dem Dach einer Terrasse in ca. 2,10 Metern Höhe
Alles begann mit der Meldung eines 80-jährigen Hauseigentümers, der ein „sehr hübsches Nest mit sehr hübschen Tieren“ bei der zuständigen Stelle meldete. Zur Verifizierung wurde er gebeten, ein Foto einzusenden. Bei diesem Versuch wurde er zweimal gestochen. Kurz darauf kontaktierten mich besorgte Nachbarn, da der Eigentümer wegen einer anderen Erkrankung im Krankenhaus war und das Nest zunehmend für Unruhe sorgte.
Die Eskalation: Von stiller Beobachtung zum Generalangriff
Bei meiner Ankunft wirkte die Lage zunächst unspektakulär. Einige Hornissen sassen in kleinen Gruppen auf der Nesthülle – ein klares Zeichen erhöhter Wachsamkeit. Während ich meine Ausrüstung vom Fahrzeug holte, änderte sich die Situation dramatisch. Innerhalb von Minuten war die gesamte Nesthülle schwarz von Tieren. Sie bereiteten sich auf die Verteidigung vor.
Ein neugieriger Nachbar kommentierte die Szene noch mit den Worten: „Da ist aber jetzt schon ein bisschen mehr los.“ Meine unmissverständliche Anweisung an ihn: „Gehen Sie weg, jetzt sofort! Egal wohin, Hauptsache weit!“
In diesem Moment traf ich eine Entscheidung, die sich als absolut entscheidend erweisen sollte: Ich legte meine komplette Schutzausrüstung inklusive Helm und Visier an. Zurück auf der Terrasse hatte sich die Lage weiter zugespitzt. Der gesamte Garten summte, und der Nachbar filmte nun aus etwa 20 Metern Entfernung, während eine Wolke aus hunderten Hornissen die Luft erfüllte. Als ich zu meinem Fahrzeug zurückkehrte, sassen bereits unzählige Tiere auf meinem Schutzanzug. Ein feiner Sprühnebel in der Luft war kein Nieselregen – es war das Gift, mit dem die Hornissen mich als Ziel markierten.
Mir wurde klar: Obwohl er Abstand hielt, war auch der Nachbar nicht mehr sicher. Ich holte einen zusätzlichen Imkerschleier aus dem Auto und warf ihn ihm zu. Selten habe ich jemanden eine Schutzjacke so schnell anziehen sehen.
Der kritische Moment: Zweifel und Entschlossenheit
Nachdem die unmittelbare Umgebung gesichert war, konnte ich mich der eigentlichen Aufgabe widmen. Der Zugang zum Nest war ohne massive Attacken nicht mehr möglich. Als ich mit dem Absaugen der Verteidigerinnen begann, waren meine Hände binnen Sekunden schwarz bedeckt. Die Saugleistung liess nach, während der Ansturm nicht endete.
Und dann passierte etwas, das ich in meiner gesamten Laufbahn noch nicht erlebt hatte: Meine Gedanken begannen zu rasen. „Hör auf! Geh. Mach heute Abend weiter. Die bringen dich um! Lass den Scheiss!“
Ich musste innehalten. Für eine volle Minute stand ich still, konzentrierte mich auf meine Atmung und beruhigte meine Gedanken. Ich musste das Vertrauen in meine Schutzausrüstung, in meine jahrelange Erfahrung und in meine Fähigkeit zur Fokussierung wiederfinden. Es funktionierte. Ich fasste den Entschluss: Ich ziehe das durch.
Durchbruch und Erkenntnis
Nach gefühlten Ewigkeiten – real waren es 30 Minuten ununterbrochenen Absaugens – war die massive Verteidigungswelle gebrochen. Endlich konnte ich das Einflugloch versiegeln und den stetigen Nachschub an Hornissen aus dem Nestinneren stoppen. Später stellte sich heraus, dass sich nur noch etwa 20 Arbeiterinnen und die Königin im Nest befanden. Nahezu das gesamte Volk hatte sich an der Verteidigung beteiligt und geopfert.

Was wir aus diesem Einsatz lernen müssen
Dieser Einsatz hat mir das Gefahrenpotenzial eines Nestes der Asiatischen Hornisse schonungslos vor Augen geführt. Einzelne Tiere bei der Nahrungssuche sind meist scheu und harmlos. Die wahre Gefahr geht vom Kollektiv im Nest aus. Wäre eine ungeschützte Person auf diese Terrasse getreten, hätte die Situation tödlich enden können.
Was ich aus diesem Tag mitnehme, ist die Bestätigung der enormen Verantwortung, die wir tragen:
- Für die betroffenen Bürger: Wir müssen schnell, sicher und professionell handeln.
- Für die, die wir ausbilden: Eine gewissenhafte Schulung über das Verhalten der Tiere und den Umgang mit Extremsituationen ist unerlässlich.
- Für die Behörden, die wir beraten: Sachliche Aufklärung über die realen Risiken ist die Grundlage für sinnvolle Massnahmen.
Ich werde diese Verantwortung weiterhin annehmen, noch gewissenhafter ausbilden und sachlich beraten. Aber eine solche Erfahrung, wie an diesem Tag in Köln, wünsche ich niemandem.

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