Sie haben sie vielleicht schon in den Nachrichten gesehen oder sogar in Ihrem Garten gesichtet: die Asiatische Hornisse. Mit ihrem fast schwarzen Körper, den leuchtend gelben „Socken“ und dem orangefarbenen Gesicht ist sie eine auffällige Erscheinung. Doch dieser Neuzugang in unserer heimischen Tierwelt, der ursprünglich aus Südostasien stammt, stellt uns vor einige Herausforderungen. Aber keine Sorge, Belgien hat einen Plan!
Wie alles begann: Eine Reise um die halbe Welt
Die Geschichte der Asiatischen Hornisse in Europa begann um 2004 in Frankreich, als sie vermutlich versehentlich mit einer Warenlieferung aus China ankam. Von dort aus hat sie sich als äußerst anpassungsfähig erwiesen und sich rasant ausgebreitet. Inzwischen ist sie auch in Belgien fest etabliert und fühlt sich hier sichtlich wohl. Ihre Fähigkeit, schnell neue Gebiete zu besiedeln, macht sie zu einem schwierigen Fall.
Warum ist die Hornisse ein Problem?
Die Asiatische Hornisse hat es vor allem auf eines abgesehen: Proteine für ihren Nachwuchs. Und ihre Lieblingsquelle dafür sind andere Insekten.
- Für unsere Honigbienen: Die Hornissen sind geschickte Jäger. Sie lauern vor Bienenstöcken und fangen heimkehrende Bienen direkt aus der Luft. Das allein ist schon schlimm genug, aber der ständige Belagerungszustand versetzt die Bienenvölker in solchen Stress, dass sie sich kaum noch aus dem Stock trauen. Das Ergebnis: Die Völker werden schwächer, sammeln weniger Honig und haben es schwer, den Winter zu überstehen.
- Für die Naturvielfalt: Die Hornisse ist kein wählerischer Esser. Neben Honigbienen stehen auch Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und viele andere nützliche Bestäuber auf ihrem Speiseplan. Das bedroht das empfindliche Gleichgewicht in unseren Ökosystemen.
- Für uns Menschen: Zunächst die gute Nachricht: Asiatische Hornissen sind nicht von Natur aus aggressiv gegenüber Menschen. Sie interessieren sich nicht für unseren Kuchen oder unsere Limonade. Gefährlich wird es nur, wenn man ihrem Nest zu nahekommt. Dann verteidigen sie es vehement, und ihre Stiche sind schmerzhaft. Deshalb gilt die oberste Regel: Niemals ein Nest auf eigene Faust entfernen!
Belgiens Strategie: Ein Mix aus Teamwork und klugen Entscheidungen
Da eine vollständige Ausrottung kaum noch möglich ist, hat Belgien eine Strategie entwickelt, um die Auswirkungen der Hornisse zu managen. Die Zuständigkeiten sind dabei auf die Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel aufgeteilt.
1. Finden und Melden – Jeder kann helfen! Das A und O ist zu wissen, wo die Hornissen sind. Hier kommt die Bevölkerung ins Spiel. Über Online-Plattformen wie Vespa-Watch in Flandern oder die regionalen Meldeportale können Bürger Sichtungen von Hornissen und vor allem von Nestern melden. Jeder Hinweis hilft den Experten, die Ausbreitung zu verfolgen.
2. Die Nestentfernung: Ein Job für Profis Wenn ein Nest eine Gefahr darstellt, rücken Spezialisten an. Meistens geschieht das in der Dämmerung, wenn alle Hornissen im Nest sind. Mit langen Teleskopstangen wird ein insektizides Pulver direkt ins Nest gesprüht. In umweltsensiblen Gebieten kommt auch eine Art feines Mineralpulver (Diatomeenerde) zum Einsatz, das für die Insekten tödlich ist, aber für die Umwelt schonender.
Immer häufiger wird aber nach dem Prinzip des „vernünftigen Managements“ gehandelt. Das bedeutet: Nicht jedes Nest muss zerstört werden. Ein Nest hoch oben in einem Baum in einem abgelegenen Waldstück, das niemanden stört, wird oft in Ruhe gelassen. Der Fokus liegt auf Nestern in der Nähe von Wohnhäusern, Schulen oder Bienenständen.
3. Der umstrittene Fallenfang Im Frühling versuchen viele Imker, die jungen Königinnen mit Fallen zu fangen, bevor sie ein neues Volk gründen können. Die Idee klingt gut, hat aber einen großen Haken: Viele Fallen sind nicht wählerisch und töten unzählige andere, oft nützliche Insekten. Forscher arbeiten daher mit Hochdruck an besseren, selektiveren Fallen, die nur die Asiatische Hornisse fangen.
4. Schutzschilde für die Bienen Imker können ihre Völker aktiv schützen. Eine beliebte Methode sind spezielle Gitter, die vor dem Flugloch des Bienenstocks angebracht werden. Diese „Schutzschilde“ sind so konstruiert, dass die Bienen problemlos hindurchpassen, die viel größeren Hornissen aber draußen bleiben müssen.
Der Weg in die Zukunft: Lernen, mit der Hornisse zu leben
Die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse ist eine Daueraufgabe. Die größten Herausforderungen sind die schnelle Ausbreitung, die schwer zugänglichen Nester und die Notwendigkeit, die Maßnahmen über die regionalen Grenzen hinweg gut zu koordinieren.
Das Ziel hat sich verschoben: Statt einer unrealistischen Ausrottung geht es heute darum, die Populationen zu kontrollieren und die Schäden so gering wie möglich zu halten. Mit einer Mischung aus professioneller Bekämpfung, cleveren Schutzmaßnahmen, engagierter Forschung und der Mithilfe aller Bürgerinnen und Bürger kann es uns gelingen, eine Balance zu finden und unsere heimische Insektenwelt bestmöglich zu schützen.

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