Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) hat sich seit ihrer Ankunft in Europa zu einer erheblichen Bedrohung für die heimische Tierwelt und die Imkerei entwickelt. Besonders in Regionen wie Galicien, Spanien, sind die Auswirkungen spürbar. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Bekämpfungsstrategien, ihre Effektivität und die damit verbundenen ökologischen Überlegungen, insbesondere im Vergleich zur heimischen Europäischen Hornisse (Vespa crabro).
Den vollständigen wissenschaftlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie hier,
Audiozusammenfassung
Die invasive Asiatische Hornisse: Eine Herausforderung für Galicien
Die Asiatische Hornisse, auch bekannt als Vespa velutina, ist eine invasive Art, die ursprünglich aus Südostasien stammt. Seit ihrer Einschleppung nach Europa im Jahr 2004 hat sie sich rasant ausgebreitet. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit, schnelle Vermehrung und ihr generalistisches Jagdverhalten machen sie zu einer erfolgreichen Invasorin. Der Lebenszyklus beginnt im Frühjahr mit dem Nestbau durch überwinterte Königinnen. Im Sommer entwickeln sich große Kolonien mit bis zu 1500 Arbeiterinnen, die eine ernste Gefahr für Honigbienen und andere heimische Insekten darstellen.
Die ökologischen und sozioökonomischen Folgen in Galicien sind beträchtlich. Imker beklagen Völkerverluste und geringere Honigerträge. Die ständige Bedrohung durch die Asiatische Hornisse führt bei Honigbienen zu einer „Jagdlähmung“, die ihre Sammelaktivitäten stark einschränkt. Aber nicht nur Honigbienen sind betroffen; auch Wildbienen und andere Bestäuber fallen der Asiatischen Hornisse zum Opfer, was weitreichende Folgen für die heimische Biodiversität und die Bestäubung von Pflanzen haben kann. Nester in Siedlungsnähe stellen zudem ein Risiko für die Bevölkerung dar.
Aktuelle Bekämpfungsansätze in Galicien
In Galicien gibt es verschiedene Ansätze zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse, die von der Regionalregierung (Xunta de Galicia) und nationalen Strategien unterstützt werden. Ein wichtiges Projekt war „Atlantic-POSitiVE„, das von 2019 bis 2022 lief und darauf abzielte, integrierte Bekämpfungsmethoden zu entwickeln und die Zusammenarbeit zu fördern.
Die Hauptstrategien umfassen:
- Nestfindung und -beseitigung: Dies ist eine häufige Methode, die oft auf Meldungen aus der Bevölkerung basiert.
- Einbindung der Gemeinschaft: Bürger werden ermutigt, Sichtungen zu melden.
- Prävention und Früherkennung: Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung.
- Forschung: Entwicklung neuer und verbesserter Bekämpfungsmethoden.
Trotz Fortschritten in der Organisation und Kommunikation gibt es weiterhin Herausforderungen, insbesondere bei der Entwicklung wirklich effektiver und gleichzeitig umweltverträglicher Methoden.
Methode 1: Fallenfang – Ein zweischneidiges Schwert
Der Einsatz von Köderfallen ist eine weit verbreitete Methode, um Asiatische Hornissen zu fangen. Ziel ist es, im Frühjahr Königinnen und während der Saison Arbeiterinnen zu dezimieren. Die wissenschaftliche Bewertung dieser Methode ist jedoch kritisch.
Effektivität und Selektivität von Fallen
Studien zeigen, dass das Frühjahrsfangen von Königinnen oft nicht ausreicht, um die Gesamtpopulation oder die Anzahl der Nester signifikant zu reduzieren. Ein Hauptproblem ist der hohe Beifang von Nicht-Zielinsekten, was die Methode ökologisch bedenklich macht. Die Selektivität – das Verhältnis von gefangenen Asiatischen Hornissen zu anderen Insekten – ist oft unzureichend.
Eine vergleichende Studie verschiedener Fallentypen lieferte folgende Ergebnisse:
| Fallentyp | V. velutina Fangrate (Effektivität) | Selektivitätsindex (V. velutina / Nicht-Zielarten) | Mittlere Anzahl getöteter Nicht-Zielindividuen pro gefangener V. velutina | Wichtige gefangene Nicht-Zielgruppen/-arten |
| Eva (E) | Höher | Höher | 9,98 | Diptera (Fliegen), Formicidae (Ameisen), Coleoptera (Käfer) |
| VespaCatch (V) | Höher | Niedriger | 97,31 | Diptera, Formicidae, Coleoptera, heimische Vespidae (inkl. Vespa crabro – Europäische Hornisse), Lepidoptera (Schmetterlinge) |
| Econex (X) | Höher | Niedriger | 64,61 | Diptera, Formicidae, Coleoptera (inkl. Lucanus cervus – Hirschkäfer, potenziell gefährdet), Lepidoptera (besonders hohe Raten) |
| Prototyp (R) | Niedrigster | Niedrigster | 80,15 | Kleine Diptera, Formicidae |
Die Eva-Falle zeigte die beste Balance aus Effektivität und Selektivität, tötete aber immer noch fast 10 Nicht-Zielinsekten pro gefangener Asiatischer Hornisse. Andere Modelle, wie VespaCatch und Econex, fingen zwar mehr Asiatische Hornissen, hatten aber eine sehr geringe Selektivität und gefährdeten heimische Arten, einschließlich der geschützten Europäischen Hornisse und des Hirschkäfers. Der hohe Beifang macht den Einsatz vieler aktueller Fallentypen ökologisch nicht nachhaltig.
Methode 2: Schutz von Bienenständen – Gezielte Verteidigung
Angesichts der Probleme mit Fallen gewinnen direkte Schutzmaßnahmen für Bienenstände an Bedeutung.
Elektrische Harfen
Diese Geräte bestehen aus einem Rahmen mit elektrisch geladenen Drähten, die vor den Bienenstöcken positioniert werden. Anfliegende Hornissen erhalten bei Kontakt einen elektrischen Schlag. Studien, auch in Galicien, haben ihre Wirksamkeit belegt:
| Parameter | Quantitatives Ergebnis (geschützte vs. ungeschützte Völker) |
| Reduktion des Prädationsdrucks | Geschützte Bienenstöcke erfuhren 88,8% weniger Prädationsdruck. |
| Fangrate von V. velutina in Harfen | V. velutina machte >90% der gefangenen Insekten aus. |
| Selektivität der Harfen | Hoch. |
| Auswirkungen auf das Bienenverhalten | Reduzierung der Jagdlähmung; höhere Sammelaktivität, Polleneintrag und Brutproduktion. |
| Überwinterungsrate der Bienenvölker | Signifikant höher bei geschützten Völkern (77,8%) im Vergleich zu ungeschützten (55,6%). |
Elektrische Harfen gelten als selektiv und umweltverträglicher als Köderfallen. Sie sind ein wichtiges Werkzeug für Imker, lösen aber nicht das Problem der Bedrohung anderer Wildbestäuber durch die Asiatische Hornisse.
Weitere Schutzmaßnahmen umfassen Fluglochverengungen und die Sicherstellung einer guten Volksgesundheit und Futterversorgung.
Methode 3: Der „Trojanisches Pferd“-Ansatz mit Fipronil – Wirksam, aber riskant
Diese Methode basiert darauf, Hornissen mit einem Proteinköder anzulocken, der mit einer geringen Dosis des Insektizids Fipronil versetzt ist. Die Hornissen tragen den Köder ins Nest, um die Larven zu füttern, wodurch das Gift in der Kolonie verbreitet wird.
Wirksamkeit und Bedenken
Feldversuche zeigten eine Reduktion der Hornissenaktivität, besonders bei hohem Anfangsdruck:
| Parameter | Ergebnis |
| Fipronil-Konzentration im Köder | 0,01% (w/w) |
| Reduktion der Hornissenaktivität (gesamt) | Durchschnittlich 40% |
| Reduktion bei hohem Anfangsdruck (>30 Hornissen) | Ca. 75% (signifikant und schnell) |
| Wirkungsdauer | Mindestens zwei Wochen |
Obwohl diese Methode lokal wirksam sein kann, ist Fipronil ein hochtoxisches und nicht-selektives Insektizid. Sein Einsatz ist in vielen Regionen für diesen Zweck nicht zugelassen und birgt erhebliche Umweltrisiken. Fipronil ist sehr giftig für Bienen und andere Nicht-Zielorganismen, insbesondere für Wasserlebewesen. Es kann in der Umwelt persistent sein, und sein Abbauprodukt Fipronil-Sulfon ist oft noch toxischer.
Fipronil im Umweltkontext: Ein Vergleich
Der Eintrag von Fipronil durch die „Trojanisches Pferd“-Methode muss im Kontext anderer Quellen betrachtet werden. Fipronil wird auch in Tierarzneimitteln (z.B. Floh- und Zeckenmittel für Haustiere) und in der Landwirtschaft eingesetzt.
- Tierarzneimittel: Studien zeigen, dass Fipronil und seine Metaboliten über das Abwasser von Tierkliniken oder durch badende Hunde in Gewässer gelangen können, wo sie bereits in geringen Konzentrationen schädlich für aquatische Organismen sind.
- Landwirtschaft: Die Landwirtschaft ist mengenmäßig oft der größte Eintragsquelle für Pestizide. Spanien gehört zu den Hauptverbrauchern von Pestiziden in der EU. Auch wenn Fipronil in Galicien nicht zu den am häufigsten genannten landwirtschaftlichen Insektiziden zählt, ist sein Einsatz in bestimmten Kulturen möglich.
Der zusätzliche Eintrag von Fipronil durch Hornissenköder, selbst wenn die Mengen gering erscheinen, ist kritisch zu bewerten, da es sich um ein potentes Biozid handelt. Die Anwendung als Köder birgt zudem spezifische Risiken für Aasfresser, die vergiftete Hornissen aufnehmen könnten.
Fazit: Der Weg zu einem nachhaltigen Management der Asiatischen Hornisse
Die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse in Galicien und anderen betroffenen Regionen erfordert eine sorgfältige Abwägung von Wirksamkeit und Umweltsicherheit.
- Fallenfang ist oft ineffektiv und schadet vielen Nicht-Zielinsekten, einschließlich der Europäischen Hornisse.
- Schutzmaßnahmen am Bienenstand, wie elektrische Harfen, sind lokal wirksam und selektiver.
- Der Einsatz von Fipronil-Ködern ist zwar wirksam, aber mit erheblichen ökologischen Risiken und rechtlichen Unsicherheiten verbunden.
Ein integrierter Ansatz, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, ist entscheidend. Dazu gehören die Verbesserung selektiver Fangmethoden, der Schutz von Bienenständen, die genaue Beobachtung der Populationsentwicklung und eine klare Kommunikation über die Risiken und Nutzen verschiedener Methoden. Die Entwicklung und Zulassung sicherer und selektiver Bekämpfungsmittel bleibt eine vordringliche Aufgabe. Die Koexistenz mit der Asiatischen Hornisse wird wahrscheinlich eine langfristige Herausforderung bleiben, die adaptive und wissenschaftlich fundierte Managementstrategien erfordert, um sowohl die Imkerei als auch die heimische Biodiversität, einschließlich der wichtigen Europäischen Hornisse, zu schützen.

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